Alpbach, 3. September 2009
Kamingespräch: „Public Health in Austria and Europe“, Josef Probst
  • Gast: Dr. Josef Probst, Generaldirektor Stv., HVB d Österreichischen Sozialversicherungsträger
  • Moderation: Dr. Lucia Ucsnik, MAS, Club Alpbach Medica
Anhand zahlreicher internationaler Rankings von Gesundheitssystemen, wurde über Gesundheitsleistungen und Qualitätsmerkmale von Gesundheitssystemen diskutiert. Um Gesundheit zu messen bedarf es einer Vielzahl an Parametern - auch abseits von epidemiologischen Daten. Österreich findet sich zumeist in den vorderen Plätzen der Rankings, aber dennoch besteht Handlungsbedarf insbesondere im Public Health-Bereich, da beispielsweise die Anzahl der Jugendlichen Raucher deutlich höher als der OECD Durchschnitt ist, sowie das subjektive Wohlbefinden von Jugendlichen einen Handlungsbedarf in Österreich aufzeigt. Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Polit-Ressorts nach dem Motto „Health in all policies“ ist hier gefragt. In Österreich besteht ein Missverhältnis zwischen Gesundheitsförderung und Krankenbehandlung. Dies zeigt sich bereits durch das Fehlen von öffentlich zugänglichen Universitätslehrgängen zu Public Health und eine geringe Repräsentanz von Public Health Experten in der Gesundheitspolitik. Österreich hat einen Bedarf an Gesundheitszielen, welche evaluiert werden, Case- und Disease Management zur Kosteneinsparung durch gezielte Programme, sowie eine Prozessorientierung in der Krankenbehandlung.

Weitere Herausforderungen ergeben sich dadurch, dass Verteilung von und Zugang zu Gesundheitsleistungen sowie Information stark von der Zugehörigkeit zu einer sozialen Schicht abhängt. Dadurch besteht Bedarf an genauer epidemiologischer Datenerhebung sowie zielgerichteten Interventionen. Transparenz im österreichischen Gesundheitswesen bezüglich Qualität von Krankenhäusern könnte alleine durch Monitoring zu Qualitätssteigerungen führen. Somit ist eines klar: Österreich hat eine sehr gutes Gesundheitssystem. Will es dieses behalten, ist neben einer Klärung der Finanzierungsfrage auch eine umfassende inhaltliche Reform des Gesundheitswesens nötig.

Iris Wieshofer, Mentee 2009/10