Generation lost? Brain drain – brain gain

Linz, 6. Mai 2009
Mentoring für Generationen mit Perspektiven
Ausgangspunkt des hochkarätig besetzten Dialogs stellte die Frage dar, ob Talente aus dem Gesundheits- und Sozialbereich ins Ausland auswandern müssen, um ihre Ziele und Visionen verwirklichen und ihre Talente zur vollen Entfaltung bringen zu können.

„Brain drain“ wurde weniger als Gefahr, denn als Chance gesehen: Michael Horak aus dem Bereich der Biotechnologie und -medizin sieht berufliche Auslandsaufenthalte und somit „brain-drain“ als Chance für die persönliche, berufliche Weiterentwicklung. Er selbst pendelt zwischen Wien und London für seine wissenschaftliche Karriere.


Prof. Dr. Thomas Helbich, Medizinische Universität Wien und brain-gain Aus Canada, stellte Auslandsaufenthalte als belebende Inspirations- und Motivationsquelle für Projekte dar. Eine große Herausforderung ist, den richtigen Zeitpunkt zu finden, an dem man sich entschließt, zurück zu kehren und die gewonnenen Erkenntnisse im Heimatland umzusetzen. Bedingung dafür sind Netzwerke auch ins Heimatland und Möglichkeiten/Angebote diese auch tatsächlich umzusetzen. In jedem Fall sind Auslandsaufenthalte Zeichen für berufliches Engagement.

Mentoring in Medizin, Industrie und allgemein in beruflichen Laufbahnen, wurde ausgehend von der Ausbildungssituation der Oberösterreichischen Turnusärzte von Turnusärtzevertreter Dr. Stefan Milz dargelegt. Durch Seine Ausführungen wurde der Bedarf an Mentoring-Kultur im Gesundheits- und Sozialsystem augenscheinlich, da Turnusärzte in ihrer Ausbildung oftmals rein auf Autodidaktik angewiesen sind.

Einen Überblick über objektive Tools zum Erfassen von Potential Erhielten die Teilnehmenden durch Mag. Sabine Wölbl, Potenzialfinder.com. Sie Führt Potentialanalysen als Basis für ein gezieltes Einsetzen von Arbeitskräften durch, um individuelle Talente ideal im Arbeitsprozess einsetzbar zu Machen frei nach dem Motto „Potenziale finden und für sich selbst nutzbar machen“.

DI Pöttinger, Präsident der IV OÖ, präsentierte eine 2008 von der IV OÖ beauftragte Studie, die unterstrich, dass brain-drain für die Europäische Region Oberösterreich ein relevantes Thema ist. Oberösterreich ist massiv in vielen universitären Studienbereichen von einem brain-drain betroffen.

Interessante und spannende Rätsel aufzugeben sind seiner Meinung nach wesentlich attraktiver für Mitarbeitende als unangenehme, abschreckende Probleme, die kaum einladen, die dahinter steckenden Herausforderungen anzunehmen. Rätsel motivieren jede Person, wecken Interesse und Spieltrieb, sich motiviert wie engagiert einzubringen.

Orientierung an Visionen und Fokussierung auf gemeinsame Ziele, von Denen Aufgaben abgeleitet werden, kann zu einer Arbeitsumgebung führen, in der jede und jeder die individuellen Talente entfalten kann, anstatt sich in persönlichen Konkurrenzkämpfen zu verlieren, die oftmals zu einem Unwillen gegen Wissensweitergabe führen und vom Wesentlichen ablenken.

Einen Bedarf an Mentoring-Programmen, speziell für Frauen in der Technik, ortete auch Christine Lengauer, Vize-Präsidentin der Arbeiterkammer Oberösterreich, und brachte erfreuliche Beispiele für Förderung junger Menschen wie die Initiative „Power Girls“. MentorInnen müssen aber auch selbst in der Arbeitswelt von stabilen Arbeitsverhältnissen ausgehen können als Basis dafür, dass Wissen und Erfahrung zirkulieren können. Ein Phänomen, das allerdings immer stärker um sich greift, ist Unsicherheit des Eigenen Arbeitsplatzes durch Mobbing in der letzten Arbeitsphase. Eine derartige Unkultur wirkt einer Nachwuchsförderung entgegen, macht sinn- und mehrwertstiftende generationsübergreifende Dialoge unmöglich.

Neben der unmittelbaren Förderung von Talenten, braucht es auch Raum für Kreativität in der Arbeit sind sich Präsident DI Pöttinger und Vize-Präsidentin Christine Lengauer einig. Sie erachten dies als ein meist ungeborgenes Potential für eine gesunde Arbeitsumgebung und Innovationen im Betrieb.

Hermann Diller, Forte, unterstrich die Wichtigkeit von Mentoring im ursprünglichen Sinn, der aus der griechischen Mythologie rührt: Mentor bekam die Obhut und Verantwortung für Ikarus übertragen. „Mentoring“ bedeutet nicht nur eine beidseits fruchtbare Beziehung zwischen Mentor/in und Mentee. Es kann auch als Einstellung gegenüber der jungen Generation verstanden werden. Daher wurden im Forte MentorInnen-Ausbildungen in Kooperation mit den Medizinischen Universitäten Graz und Innsbruck Etabliert und verankert.

Dr. Franz Harnoncourt, Geschäftsführer und Ärztlicher Direktor Krankenhaus der Elisabethinen Linz stellte abschließend dar, dass in diesem Dialog ein weiter, facettenreicher Bogen über Gesundheit & Soziales, Forschung, Industrie, Arbeits- wie Wirtschaftswelt gespannt wurde.

Vor 40 Jahren wären Hierarchie-übergreifende – von Studierenden über Oberärzteschaft, Primarii, Geschäftsführende, (Vize)Präsidentschaften als auch generationsübergreifende Dialoge wie dieser, undenkbar gewesen. Es sind aber alle Anwendenden einstimmig der Meinung, viele persönlich wertvolle Erkenntnisse gewonnen zu haben durch eben diesen Dialog und die tiefe Einsicht in die Facetten der Bereiche und Berufskulturen.

„Brain drain“ ist ebenso wichtig wie „brain-gain“ – wohldosiert und balanciert ermöglicht, gut durchlässig über alle Generations- und Hierarchie-Ebenen. Einen Beitrag, die Basis dafür auch in Oberösterreich, in Österreich dafür zu schaffen hat dieser Dialog in jedem Fall geschafft.

Erfreulich ist ebenso die neu gestärkte Motivation der Teilnehmenden, sich im jeweiligen, persönlichen Wirkkreis für Mentoring-Gedanken einzusetzen, diesen aufleben zu lassen und den Paradigmenwechsel in der Kultur der medizinischen Lehre möglich zu machen.


Anna Antoni und Dr. Lucia Ucsnik, MAS, Club Alpbach Medica